Press Release

A.R. PENCK
WORKS ON CANVAS
Kennedydamm 1, 40476 Düsseldorf
29. April – 25. Juli 2022
Opening: Freitag, 29. April, 17 – 20 Uhr                                 

„Jeder Standart ist nachahmbar und reproduzierbar und kann so zum Eigentum jedes Einzelnen werden.“ A.R. Penck, 1970.

Die Galerie Achenbach Hagemeier freut sich außerordentlich, die Ausstellung „works on canvas“ von A.R. Penck (1939 – 2017) zu präsentieren, einem der wichtigsten Künstler der deutschen Nachkriegsgeschichte, dessen Einstellung zur Europäischen Malerei ebenso drastisch wie außergewöhnlich war. Penck‘s Oeuvre, welches in einem Atemzug mit anderen führenden deutschen Malern seiner Generation wie Sigmar Polke, Anselm Kiefer, Markus Lüpertz und Jörg Immendorff genannt wird, ist gleichermaßen charakteristisch wie wegweisend. Die Ausstellung zeigt Arbeiten von 1983 bis 2005 und trägt somit Malerei aus zwei Dekaden wichtiger Phasen im Werk von A.R. Penck zusammen.

Alles begann in Dresden – mit einem Akt der Künstlerischen Selbstbehauptung. Von der Akademie und dem offiziellen Kunsthandel der DDR ausgeschlossen, erklärte er sich zum eigenverantwortlichen Künstler. Während sich viele junge deutsche Künstler für eine abstrakte Bildsprache entschieden, zog es Penck vor, die sichtbare Realität des täglichen Lebens in Werken darzustellen, die eine lange europäische figurative Tradition fortsetzten. Als Maler und Illustrator, Bildhauer und Grafiker, Super-8-Filmemacher, Musiker und Autor eroberte er die „Underground“-Kunstszene und schuf ein ebenso ergiebiges wie vielseitiges Oeuvre. Aus Sprache, Verhaltenstheorien, Mathematik, Kybernetik und Informationssystemen formte der Künstler eine reduzierte und symbolische Bildsprache. Penck forderte die Beziehung zwischen Mensch und Gesellschaft heraus, indem er sein persönliches Lexikon von Zeichen und Symbolen verwendete. Wenn man bedenkt, dass seine Arbeit von den Ideologien der Nachkriegszeit und dem autoritären politischen Staat Ostdeutschland beeinflusst war, ist es faszinierend, dass die von ihm erfundene visuelle Sprache einzigartig, zeitgenössisch und gleichzeitig zeitlos war.

 „Mit Zeichen, Symbolen, Metaphern und sogar Allegorien bediente sich [Penck] eines ästhetischen Instrumentariums, das in der modernen Kunst vernachlässigt oder entsorgt worden war. Gleichzeitig formte er aber auch durch radikale Vereinfachung und Geradlinigkeit einen völlig neuen Stil, der sich deutlich von der an der Antike orientierten Formensprache unterschied, die sich durch die Jahrhunderte von der Renaissance bis zum Jugendstil durchgesetzt hatte. Auch den energischen, informellen Pinselstrich und die seriellen Methoden der Op Art bezieht er mit ein und fügt ebenso gerne expressionistische Figuren hinzu. Vielleicht können wir in der Kunst von A.R. Penck bereits den Beginn der Postmoderne erkennen.“ -W. Schmidt.

Das früheste und größte Werk der Ausstellung trägt den Titel Entscheidung. Es entstand 1983 und ist ein lebendiges und farbenfrohes Beispiel für das verschlüsselte, schematische Vokabular des Künstlers. Eine große, rote Standart-Figur – der Begriff, den der Künstler geprägt hat, um eine von Hieroglyphen und Höhlenmalereien inspirierte malerische Sprache zu beschreiben – steht vor uns, die Arme weit ausgebreitet und die Hände zu drei T‘s geformt, die in Bezug zu „TTT (Triple Trip Touch)“ gesetzt werden können, der Free-Jazz-Band, der Penck Anfang der 1980er Jahre beitrat und dort das Schlagzeug spielte.
Die charakteristischen Figuren und Formen des Künstlers sind in Rot, Blau, Grün und Schwarz gehalten, um die Bildstruktur dieser sehr großen Leinwand zu bereichern. Die Formen umfassen schwebende Kreuze, Striche, Augen, Gesichter, geheimnisvolle Formen und zwei Notenschlüssel. Außerdem können wir auf der linken Seite möglicherweise einen schwarzen Flügel und Musiknoten erkennen. 1983 trat Markus Lüpertz der Band TTT bei, um Klavier zu spielen. Penck sagte: „Wir hatten unsere Band TTT. Neu war, dass Markus Lüpertz darum bat, Teil der Gruppe zu werden. Er spielt Klavier und wir haben sogar zusammen ein Konzert gegeben.“ – Aus einem Gespräch mit Eddy Devolder.

Penck schuf diese energischen, grafischen Symbole in verschiedenen Farben, um eine lebhafte Szene auf einem rein weißen Hintergrund hervorzurufen. Die kraftvollen breiten Linien und Blöcke, die der Künstler mit dem Pinsel aufträgt, erinnern an den primitiven Stil und die Art Brut. Es ist eine starke, sehr präsente Arbeit, die den Bildraum sättigt, indem sie ihre Piktogramme und Symbole einsetzt, um uns in diese Szene eintauchen zu lassen.

1990, im Jahr der Wiedervereinigung Deutschlands und nach dem Fall der Berliner Mauer, ist die Arbeit Soldato Conventionale entstanden. Ein Paradebeispiel für A. R. Penck‘s facettenreiche Welt antiker Symbole und Systeme.
1980 aus der DDR verbannt und in den Westen abgeschoben, entstand das Gemälde zu einer Zeit, als er seine bildhafte Sprache überdachte und sein Trauma der Isolation in eine solide Wertschätzung der Vertreibung umwandelte und somit aus Ihr eine wichtige Motivation für sein künstlerisches Schaffen generieren konnte.

In Soldato Conventionale (1990) wird das Konfliktthema durch eine Standart-Figur mit einem Gewehr in der Hand in den Vordergrund gerückt. Es gibt zum Beispiel eine schwarz lackierte Absperrung und eine Schlange. Darüber hinaus wird der Optimismus des bildnerischen Denkens in diesem Gemälde besonders deutlich, und zwar in einer Figur: der des Soldaten. Sie basiert auf Penck‘s eigenen Erfahrungen in der Nationalen Volksarmee, zu der der Künstler 1974 für ein halbes Jahr eingezogen wurde – eine dem preußischen Erbe verpflichteten Armee.
Es war ein Wendepunkt in Penck‘s Leben. Nach dem Treueeid auf den Staat kam er in direkten Kontakt mit dem Militärgesetzbuch und mit der Psychologie und Technik der Kriegsführung, erstmals auch mit dem Einsatz von Raketen. In der Figur des Soldaten, der erzwungenen kollektivistischen Existenzweise, dem fortwährenden Leben als Subjekt, ist er dazu übergegangen, der Befehlskette einer distanzierten Autorität ausgeliefert zu sein. Dafür steht das konventionelle Konzept eines Soldaten, der Soldato convenzionale, vom Künstler mit einem Gewehr in der Hand ausgestattet.

Penck‘s Arbeit war schon immer politisch, spiegelt aber auch freudige Zeiten im Leben des Künstlers wider. Um sich dem auf Ihn einwirkenden politischen Druck zu widersetzen, freundete sich Penck in den 80er Jahren mit Jean-Michel Basquiat und Joseph Beuys an. So besuchte er beispielsweise seinen Freund Basquiat in New York. Penck und Basquiat teilten die Leidenschaft für Musik und so formte sich eine innige Verbindung zwischen den beiden Künstlern, die von gegenseitiger Bewunderung und kreativem Austausch geprägt war. Die Wucht, Impulsivität und Lebendigkeit seines musikalischen Zwischenspiels zeigt sich in Werken wie TTT mit A.Silva, Fränkie und A.R. Penck (um 1990). Die drei Protagonisten in diesem Gemälde (Alan Silva, Frank Wollny und A.R. Penck), die als „The new TTT“ bekannt waren, gaben kostenlose Jazzkonzerte. Symbole und Figuren sind im Vergleich zu der sonst oft monochromen Farbpalette hier eher bunt und in dickem Farbauftrag dargestellt, intensiv grafisch mit schroff gemalten Linien und kalligrafischen Elementen versehen. Wir können drei Figuren erkennen, die sich amüsieren und ihre Instrumente spielen, eine von Ihnen weinend und lachend auf dem Boden liegend.

In Untitled (1990) erstrecken sich drei schwarze Strichmännchen über die Leinwand, ihre Glieder wiegen sich im Tanz vor einem farbigen Hintergrund in Braun, Weiß und Orange. Ihre Arme sind nach oben erhoben und ihre Körper mit dreieckigen Gesichtern gekrönt. Zwischen diesen schwebenden Buchstaben, Instrumenten und einer Schlange, die mit der Gruppe der Strichmännchen zu tanzen scheint, liegt die Assoziation zu einem flötenspielenden Schlangenbeschwörer nahe.

Das jüngste Werk der Ausstellung stammt aus dem Jahr 2005. Es ist ein monochromes Schwarz-Weiß-Gemälde namens Dritte Kraft. Der Pinselstrich ist dick und die Formen sind vereinfacht, Dritte Kraft verkörpert Penck’s „Standart“. Mit grafischen und energischen Strichen gerendert, beschwört der deutsche Neo-Expressionist hier eine lebendige Szene herauf.

A. R. Penck‘s Künstlerische Karriere erstreckt sich über 50 Jahre. Er nahm an den wegweisenden Ausstellungen Zeitgeist im Martin-Gropius-Bau, Berlin 1982, New Art in der Tate, London 1983 und der Biennale Venedig 1984 teil. Er war außerdem Teil zahlreicher wichtiger Museumsausstellungen, wie zum Beispiel in der Schirn Kunsthalle Frankfurt im Jahr 2007, dem Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris im Jahr 2008, dem Museum Ludwig in Köln im Jahr 2010, der Fondation Maeght in St. Paul de Vence im Jahr 2017 und Kunstmuseum Den Haag im Jahr 2020, um nur einige davon zu erwähnen.

A.R. PENCK
WORKS ON CANVAS
Kennedydamm 1, 40476 Düsseldorf
29 April – 25 July 2022
Opening: Friday, 29 April, 5 – 8 pm       

“Every Standart can be imitated and reproduced and can thus become the property of every individual.”– A.R. Penck, 1970.

Achenbach Hagemeier is pleased to present an exhibition of works on canvas by A.R. Penck (1939–2017), one of the greatest artists to come from post-war Germany whose approach to European painting was both drastic and extraordinary. Regularly linked with the leading German painters of his time, including Sigmar Polke, Anselm Kiefer, Markus Lüpertz and Jörg Immendorff, Penck’s work was equally characteristic and pioneering. Presenting works dating back from 1983 up to 2005, the exhibition focuses on a very important phase, bringing together over two decades of painting.

It all began in Dresden – with an act of artistic self-assertion. Excluded from the Academy and the official art market in the GDR, he declared himself an artist on his own authority.

While many young German artists were opting for an abstract idiom, Penck preferred to depict the visible reality of daily life in work that continued a long European figurative tradition. He conquered the “underground” art scene and created works that were both prolific and versatile, as a painter and illustrator, sculptor and printmaker, Super 8 filmmaker, musician and author.

The artist formed a reduced and symbolic pictorial vocabulary resulting from language, behavioural theories, mathematics, cybernetics and information systems. Penck challenged the relationship between man and society by using his own personal lexicon of signs and symbols.

Bearing in mind that his work was influenced by Post-World War II ideologies and the authoritarian political state of East Germany, it is fascinating that the visual language he invented was unique, contemporary, and timeless.

“With signs, symbols, metaphors and even allegories [Penck] made use of an aesthetic range of instruments which had been neglected or disposed in modern art. At the same time, however, he also used radical simplification and linearity to form a completely new style which differed markedly from the language of forms based on antiquity, which had prevailed throughout the centuries from the Renaissance to Art Nouveau. He also included the energetic, informal brushwork and the serial methods of Op Art, and equally happily added Expressionist figures. Perhaps we can see in the art of A.R. Penck the beginning of Post-Modernism.” -W. Schmidt.

The earliest and largest work of the show is called Entscheidung (1983).

Painted in 1983, it is a vibrant and colourful example of the artist’s coded, schematic vocabulary. A large red Standart Figure – the term the artist coined to describe a painterly idiom which took inspiration from hieroglyphs and cave paintings – stands before us, arms spread and hands formed as three Ts, which could be read as TTT, (Triple Trip Touch) the free-jazz band Penck joined in the early 1980s and performed the drums for. The artist’s characteristic figures and forms are inked in red, blue, green and black to enrich the paintings structure to this very large canvas. The shapes include floating crosses, dashes, eyes, faces, more secretive forms and two clefs. Moreover, on the left side we can possibly see a black grand piano and musical notes. In 1983 Markus Lüpertz joined the band TTT to perform the piano. Penck said: “We had our band, TTT. What happened that was new was that Markus Lüpertz asked to be part of the group. He plays the piano and we actually gave a concert together.”
-Conversation with Eddy Devolder

Penck created these energetic, graphic markings in different colours to evoke a lively scene on a stark white background. The powerful wide lines and blocks brushed on by the artist recall the primitive style and Art Brut. It is a strong canvas that saturates the pictorial space by employing his pictograms and symbols to soak us into the scenery.

Executed in 1990, the same year as Germany’s reunification after the fall of the Berlin Wall, Soldato Conventionale, is a primary example of A. R. Penck’s multifaceted world of ancient symbols and systems. Exiled from East Germany in 1980 and deported to the West, the painting was made at a time when he reviewed his pictographic language and when his trauma of isolation was altered into a solid appreciation of dislocation.

In Soldato Conventionale, the theme of conflict is foregrounded through a Standart figure holding a rifle. There is a crowd control barrier painted in black and a snake for instance. Furthermore, the optimism of pictorial thinking becomes particularly concrete in this painting and moreover in one figure: that of the soldier. It is based on Penck’s own experiences in the National People’s Army, to which the artist was drafted for half a year in 1974 – an army which was committed to the Prussian heritage.

It was a turning point in Penck’s life. Having sworn an oath of allegiance to the state, he came into direct contact with the military code and with the psychology and technology of warfare, for the first time including the use of missiles. In the figure of the soldier, the forced collectivist way of existence, the ongoing life as a subject, he had to live at the complete mercy of the chain of command of a distanced authority. This is what the conventional concept of a soldier represents, the Soldato convenzionale, equipped by the artist with a rifle in his hand.

Penck’s work has always been political, but it also reflects on joyful times in the artist’s life. In contradiction to increasing political compression, Penck would make friends with Jean-Michel Basquiat and Joseph Beuys in the 80s. For instance, he visited his friend Basquiat in New York. Penck and Basquiat shared a passion for music and both artists formed an intimate connection of admiration and creative interchange. The impact, the impulsiveness and vitality of his musical interlude is notable in works such as TTT mit A.Silva, Fränkie und A.R. Penck  (c. 1990). The three protagonists in this painting (Alan Silva, Frank Wollny and A.R. Penck) which were known as The new TTT are performing a free jazz concert. Symbols and figures are painted in colourful thick paint, intensely graphic with brusquely painted lines and calligraphic elements. We can perceive three figures having fun, playing their instruments, one cry-laughing laying on the floor.

In Untitled (1990) three black stick-figures stretch across the canvas, their limbs swaying in dance in front of a colourful brown, white and orange background. Their arms are raised upwards and bodies crowned with triangular faces. Amongst these forms float letters, pedestrials alike looking instruments and a snake which is dancing with the group of stick-figures, one could be reminded of a snake charmer playing a flute.

The youngest work of the exhibition is from 2005. It is a monochrome black and white painting called Dritte Kraft, its brushwork is thick, and its forms simplified. Indeed, Dritte Kraft embodies Penck’s Standart, rendered with graphic and energetic strokes, the German neo-Expressionist conjures a lively scene.

A.R. Penck’s career span over 50 years. He took part in the cutting-edge exhibitions Zeitgeist at Martin-Gropius-Bau Berlin in 1982, New Art at Tate London, in 1983 and was part of the Venice Biennale in 1984. He had numerous museum exhibitions for example at the Schirn Kunsthalle Frankfurt in 2007, at the Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris in 2008, at the Museum Ludwig Cologne in 2010, at the Fondation Maeght, St. Paul de Vence in 2017 and at the Kunstmuseum Den Haag in 2020.