Achenbach Hagemeier

Press Release

Pressemitteilung April 2019 

ACHENBACH HAGEMEIER
präsentiert 

Jan Pleitner
Who is the Sun?
13. April – 25. Mai 2019

Achenbach Hagemeier freut sich auf die erste Einzelausstellung „Who is the Sun“des in Düsseldorf lebenden Malers Jan Pleitner. Die Ausstellungseröffnung findet am 12. April von 19 – 21 Uhr statt.

Als Zwillingsausstellung mit der Galerie Natalia Hug in Köln angelegt, sind beide Präsentationen so konzipiert, dass sie autonom und als gegenseitige Spiegelungen fungieren: Pleitner zeigt an beiden Orten „Geschwisterarbeiten“, die ein Gegenüber in der jeweils anderen Ausstellung finden. Die Bilder bewegen sich zwar in ihrem ästhetischen Bezugsrahmen, jedoch hat Pleitner erstmals spezifische Partner-Bilder entworfen, die sich aufeinander beziehen, sich in ihrem Charakter und ihrer Malweise gegenseitig spiegeln. Das Serielle in der Arbeitsweise des Künstlers öffnet sich damit in eine neue Richtung. Jenseits des Prozesses des Malens gibt es hier einen spezifischen Handlungsrahmen, der um das Thema der Serie und der Sprache des eigenen Vokabulars kreist. Daneben hat das Konzept der Spiegelung immer auch die Funktion der Verdoppelung, der Reflektion und der Öffnung eines (unsichtbaren) Raumes. 

Die vom Künstler wegen ihrer dominierenden Dunkelheit als Night and Space Paintingsbetitelte Serie weist verschiedene Paare auf: Entweder wird auf mit abstrakten Formen bedruckte (Kunststoff-) Plane gemalt oder auf Leinwand mit verschieden Untermalungen oder Imprimatur, woraus sich ein differenzierter Charakter von Oberflächen und Prozess ergibt. Die verschiedenen Untergründe blitzen an diversen Stellen auf, an denen bewusst dezent oder frei gemalt wurde, so dass diese Stellen mal aufgekratzt oder verborgen unter den dunkleren Schichten zu liegen scheinen. Andere Partner ergeben sich aus ihrem Format oder ihrer Komposition innerhalb des Bildes. In ihrer Gestenhaftigkeit und teils schnellen Malweise, ihrer ähnlichen farblichen Komposition mit hellem korallenartigem Untergerüst und einer vorwiegend schwarzen und kontrastreich gemalten Oberfläche weisen die Arbeiten eine neue Diversität und Varianz auf: In einigen Arbeiten meint man bizarre Wesen erkennen zu können, die an Max Ernsts surrealistische Wildnisse erinnern und eine psychologische Komponente ins Feld führen. Durch Recherche und Reisen hat Pleitner ein Interesse für frühzeitliche und archaische Kulturen (Südamerikas oder Asiens) entwickelt, deren Bildsprache und Symbolik (wie zum Beispiel das Kosmologische) erheblichen Einfluss auf die neuen Arbeiten ausgeübt haben. Dieser konkrete Bezug wird mit Elementen des Sci-Fi verbunden, des hypothetisch Anderen.

Besonders die beiden ähnlich der Bilder bemalten monolithischen Objekte in der Ausstellung suchen den Bezug zum (architektonischen) Monument und somit zum Konzept der Repräsentation. Die Objekte bilden ein Gegengewicht zu den Wandarbeiten und mögen im 

Raum seltsam ausgesetzt wirken. Das Rätselhafte dieser Objekte, welche als Referenz zum Monolithen in Space Odyssee 2001gelten mögen, schlägt die Brücke zum Vorzeitlichen und der Frage nach der Verschlüsselung und Interpretation vergangener Kulturen, der Anwesenheit des Abwesenden. Gleichsam wird hier die Malerei in die dritte Dimension gesetzt, anhand der einfachsten geometrischen Figur: eine Behauptung im Raum. 

Zackenartige, in großzügige Felder strukturierte Arbeiten, die an Kirchenfenster der 1950er Jahre erinnern, zeigen ein deutliches Interesse an der Emanzipation von Licht und Schatten durch Farbe, also einem Thema innerhalb des Malereidiskurses. Wieder andere Arbeiten sind weich und organisch gemalt und offenbaren ihren flechtenartigen weißen Untergrund, wobei das verbindende Element die generelle (vertikale) Struktur und Farbigkeit der Arbeiten bleibt. Vorwiegend ist der Eindruck vor allem psychedelisch und mitunter schwindelerregend, so dass das Auge durch das stetige Surren Halt zu suchen beginnt. Die Arbeiten wirken fast skulptural, durch ständig wechselnde Vorder-, Mittel- und Hintergründe. 

Das Thema Dunkelheit zeigt sich in der erstmals für einige Arbeiten verwendete fluoreszierenden Farbe, wodurch die Arbeiten auch nachts eine eigene kryptische Präsenz bekommen. Zwei Milchstraßen in einem Paralleluniversum. Durch die Licht speichernde Farbe wird die Komponente der Dunkelheit als zweite Realität thematisiert und damit die Trennung der zwei Kosmen und ihrer Gleichzeitigkeit. Die Farbe wird buchstäblich durch Energie aufgeladen und erschafft dadurch eine nächtliche Aktivität, wie vergleichsweise die Biolumineszenz durch mikroskopisch kleine Wesen oder das Nordlicht im arktischen Himmel. Jedoch haben diese Neonfarben auch im Tageslicht den Effekt der Kontrastvertiefung, die die Öffnung optischer Räume suggeriert und diese in verschiedene Ebenen zerspringen lässt. Diese visuelle Manipulation hat vor allem im Schauen eine hypnotische Wirkung: Ähnlich dem Blick ins Auge eines Taifuns. Diese optische Verschränkung erfolgt durch das Gewebe und die verschwommenen, teils durch starke Abgrenzung voneinander getrennten Flächen, ähnlich des Scharfstellens der fotografischen Linse. Durch das synapsenartige Gerüst findet eine Sogwirkung statt, die einer Sinnestäuschung oder -manipulation gleicht. 

Eine von den Arbeiten ausgehende dystopische Düsterheit bringt unterschiedliche Aspekte zusammen, wie formale Bezüge zum Werk Ernst Ludwig Kirchners oder das phantastisch-literarische der Science-Fiction Erzählungen einer Ursula Le Guin. Denn auch das Kristalline der Arbeiten knüpft an das Konzept des Transzendentalen im abstrakten Expressionismus an und führt zugleich das Kosmologische in den Arbeiten mit der Schaffung eines Paralleluniversums der Zwillingsausstellung ins Feld. 

In Oldenburg geboren, lebt und arbeitet Pleitner zurzeit in Düsseldorf, nachdem er 2010 den Titel Meisterschüler der Düsseldorfer Kunstakademie durch Tal R erhielt. Pleitner war bereits auf internationalen Ausstellungen vertreten; Kerlin Gallery, Dublin März 2018, EY I?, Philipp Haverkampf Galerie, Berlin 2017; Träum Weiter!, Kunstverein Heppenheim, Deutschland 2017; Kerlin Gallery, Dublin 2016; MIER Gallery, Los Angeles, 2016; Nanzuka Underground, Tokyo 2015; Natalia Hug, Cologne 2014, 2016; Ancient & Modern, London 2014; Galerie Mikael Andersen, Berlin; Kunstfoyer am Langenweg, Deutschland 2013; Förderpreis der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg, Deutschland 2013; Projekt Skagen 12, Denmark 2012; Avlskarl Fine Art Gallery, Copenhagen, Dänemark 2011. 2013 war Pleitner ein Stipendiat der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg, Deutschland.

Press Release April 2019 
 

ACHENBACH HAGEMEIER
presents 

JAN PLEITNER

WHO IS THE SUN?
13 April – 25 May 2019
 

From 13 April – 25 May 2019, Achenbach Hagemeier presents Who is the Sun?”, Jan Pleitner’s debut exhibition in Achenbach Hagemeier’s Düsseldorf gallery space. 
The opening will take place on 12 April from 7 – 9 pm.

Conceived as a two-part exhibition together with Galerie Natalia Hug in Cologne, both presentations are designed to function independently and as reciprocal reflections: Pleitner is showing “sibling works” in both locations that each have a counterpart in the other exhibition. Although the images range in their aesthetic references, Pleitner has designed for the first time specific partner images that relate to each other, reflecting each other in their character and style of painting. The seriality of the artist's method thus unfurls in a new direction. Beyond the painting process there is a specific set of actions that revolves around the subject of the series and the language of its own vocabulary. In addition, the concept of reflection always has this function of doubling, reflecting, and opening an (invisible) space.

The series Night and Space Paintings, thus titled by the artist because of their domineering darkness, features several pairs: they are either painted on a (plastic) tarpaulin printed with abstract forms, or on canvas with different under paintings or imprints, resulting in the differentiated nature of the surfaces and process. The different undercoats flash through in various places where they have been consciously discreetly or freely painted, so that these places sometimes seem scratched open or to lie hidden under the darker layers. Other partners result from their format or their composition within the image. In their gestures and their sometimes fast painting style, their similar color composition with a bright coral-like substructure and a predominantly black and contrasting painted surface, the works show a new diversity and variance: in some works one thinks one can make out bizarre creatures that evoke Max Ernst’s surrealist wilderness and imply a psychological component. Through research and travel, Pleitner has developed an interest in prehistoric and archaic cultures (of South America and Asia) whose imagery and symbolism (such as the cosmological) have exerted considerable influence on the new works. This concrete reference is combined with elements of science fiction, the hypothetical other.

In particular, the two monolithic objects painted in a similar way to the paintings in the exhibition seek a connection to the (architectural) monument and thus to the concept of representation. The objects form a counterweight to the wall works and may seem curiously exposed in the space. The enigmatic nature of these objects, which may be considered a reference to the monolith in2001: A Space Odyssey, builds a bridge to the prehistoric and the question of the codification and interpretation of past cultures, of the presence of the absent. Here, painting is placed in the third dimension, as it were, through the simplest geometrical shape: a statement in the space.

 

Jagged works structured in spacious fields, reminiscent of stained-glass windows from the 1950s, show a clear interest in the emancipation of light and shade through color, that is to say, a subject within the discourse of painting. And other works are softly and organically painted and reveal their lichen-like white undercoat, though the connecting element remains the general (vertical) structure and vividness of the works. For the most part, the impression is psychedelic and sometimes vertiginous, so that the eye starts looking for a foothold amidst the constant whirring. The works seem almost sculptural due to their constantly changing foregrounds, middle grounds, and backgrounds.

The theme of darkness is reflected in the fluorescent paint used for the first time in some works, which gives the works their own cryptic presence, even at night. Two Milky Ways in a parallel universe. Through the light-storing paint, the component of darkness is addressed as a second reality, and with it the separation of the two worlds and their simultaneity. The paint is literally charged with energy, generating nocturnal activity comparable to the bioluminescence of microscopic creatures or the northern lights in the Arctic sky. However, even in daylight these neon colors have the effect of deepening the contrast, which suggests the opening up of optical spaces and then shatters them into separate layers. When looking at it, this visual manipulation has a particularly hypnotic effect: it is like looking into the eye of a typhoon. This optical entanglement takes place through the texture and the blurred areas that are separated from each other in places by strong delineation, similar to focusing a photographic lens. A suction effect takes place through the synapse-like framework that is similar to sensory deception or manipulation.

A dystopian gloom emanating from the works brings together different aspects, such as formal references to the work of Ernst Ludwig Kirchner or to the fantastical and literary science-fiction tales of Ursula Le Guin. For even the crystalline nature of the works picks up the concept of the transcendental in abstract expressionism, simultaneously invoking the cosmological aspect of the works through the creation of the parallel universe of the twin exhibition.

Born in Oldenburg, Pleitner is currently based in Düsseldorf, having graduated with an MA from the Kunstakademie Düsseldorf in 2010. He has been widely shown internationally including; Kerlin Gallery, Dublin March 2018, EY I?, Philipp Haverkampf Galerie, Berlin 2017; Träum Weiter!, Kunstverein Heppenheim, Germany 2017; Kerlin Gallery, Dublin 2016; MIER Gallery, Los Angeles, 2016; Nanzuka Underground, Tokyo 2015; Natalia Hug, Cologne 2014, 2016; Ancient & Modern, London 2014; Galerie Mikael Andersen, Berlin; Kunstfoyer am Langenweg, Germany 2013; Förderpreis der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg, Germany 2013; Projekt Skagen 12, Denmark 2012; Avlskarl Fine Art Gallery, Copenhagen, Denmark 2011. In 2013, he was awarded a grant by the Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg, Germany.