Achenbach Hagemeier

Press Release



ACHENBACH HAGEMEIER
präsentiert 
 

Nutzloses Haustier trifft hausloses Nutztier
Andreas Fischer

3. September – 2. Oktober 2021


Die Galerie Achenbach Hagemeier präsentiert die zweite Einzelausstellung mit Werken des Künstlers Andreas Fischer (geb. 1972). Seit dem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Klaus Rinke und Georg Herold kreiert der Bildhauer kinetische Maschinen aus alltäglichen Gegenständen.
Die Ausstellung „Nutzloses Haustier trifft hausloses Nutztier“ zeigt eine Auswahl von Skulpturen, die in einen lebendigen Dialog treten. Der Künstler wählt für seine Werke und Ausstellungen Titel aus, die uns zum Nachdenken anregen. Tierische Elemente sind in den Maschinen lesbar und hinterfragen unsere Wahrnehmung.

Was würde passieren, wenn ein hausloses Nutztier auf ein nutzloses Haustier trifft?
Die kinetischen Maschinen des Künstlers erfüllen den Galerieraum mit Leben. Humor und bittere Satire sind wesentliche Bestandteile der Arbeiten. Fischer verknüpft Bewegung, narrative Geräusche und collagierte Fremdkörper. Die verwendeten Gegenstände erscheinen uns vertraut und irritieren durch die Neukombination und den fremden Klang. Der Künstler ist in den Maschinen durch seine eigene Sprache präsent. Andreas Fischer transformiert alte, elektronische Geräte zu neuen Gebilden. Jeder einzelne technische Gegenstand erzählt eine Geschichte. Es sind Objekte, die der Künstler findet und neu verbaut. Häufig sind es technische Geräte, die vor der Digitalisierung entwickelt wurden. Durch einen Bewegungsmelder treten die Skulpturen in Interaktion mit dem Publikum. In der Ausstellung stellt der Künstler jeweils zwei Werke gegenüber. Sie füllen die Räume der Galerie mit beunruhigenden Klängen und Bewegungen.

„One day“ von 2017 zeigt eine suchende Maschine, die das Zeitliche betont. Ein ehemalige Radarkiste mit zwei runden Knöpfen erscheint wie eine Figur. Eine Metallstab mit einem Lautsprecher wächst aus dem Körper empor. Am Boden sucht die Figur verzweifelt mit einer Metallplatte nach etwas. Das Werk stellt einen inneren Kampf dar. Es ist nicht einfach die Wahrheit zu sagen und der Dialog erscheint wie eine Beichte. An der Metallstange hängt locker ein Zugmagnet, der diese Unsicherheit zusätzlich manifestiert.

Das leuchtende Schild „Ofen aus 2 wiedermal“ erinnert an Lichtwerbung aus Geschäften. Das ursprüngliche „Open“ hat der Künstler zu dem Wort Ofen transformiert. Zuvor hat Fischer das Werk an einer Anhängerskulptur platziert. Hier im Galerieraum erstrahlt die grelle Lichtschrift und hinterfragt die Bedeutung des Ofens.

„Entscheidungshilfe“ visualisiert einen kleinen Schrank auf vier Rollen, aus dem ein langes Objekt in den Raum ragt. Es erscheint wie ein Arm aus dem mit einem Faden zwei Räder zu Boden gelassen werden. Aus dem Objekt schallt das Lied „Farewell to Cheyenne“ aus dem Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ von 1968. Die Maschine symbolisiert den schweren Akt Entscheidungen zu treffen. Die Rollen repräsentieren metaphorisch das Ergebnis, das Scheitern, dadurch dass die Objekte nie feststehen können. Neben der Filmmusik ist der Atem des Künstlers zu hören. Auch hier taucht eine Personifizierung der Skulptur durch die neue Formauswahl und den Klang auf.

„As If There Was A Plan” besteht aus drei Objekten. Zwei aufrecht, stehende Kuchenformen auf Metallstangen erscheinen wie Augen oder Fühler von einem Insekt. Aus ihnen tönt die narrative Sprache im Kontrast zur Bewegung in der Mitte. Auf vier Rollen steht ein alter Handwerkerschrank mit einer Ablufthaube, die durch zwei Antennen bekrönt ist. Die Kabel verbinden die drei Objekte raumgreifend miteinander. Die Schublade öffnet sich und Nebel tritt heraus. Das Gerät nickt und scheint dazu zu seufzen. Der vermeintliche Plan zur Lösung von etwas, ist nicht auffindbar.

Im Außenbereich begrüßt uns das Werk „Waldmaschine Westfall“ von 2020. Es besteht aus einem Anhänger und einer Box mit geschlossenen Rollladen. Bei Dunkelheit offenbart sich ein Blick ins Innere. Auf der weißen Box sind eine große Überwachungskamera und Solarzellen installiert. Die Skulptur versorgt sich selbst mit Strom. Das Werk spielt mit der Erwartungshaltung des Menschen. Handelt es sich hier um einen Verkaufsstand? Aus dem Inneren ertönt das Lied „Advent, Advent ein Lichtlein brennt“, vorgetragen in verschiedenen Stimmungszuständen. Die Skulptur erinnert an Michael Ashers Caravan, der zur Skulptur Projekte Münster wöchentlich seinen Platz in der Stadt wechselte. Beide Arbeiten hinterfragen das Innere und die Funktion des Objektes. Andreas Fischer überspitzt die Positionierung durch den Klang und die Kamera, die zwischenzeitlich anfängt zu rauchen.

Andreas Fischer gelingt es in seinen Werken die Maschinen zu vermenschlichen. Ihre Choreografien irritieren und hinterfragen Prozesse in unserem Alltag. Es entsteht eine fesselnde Auseinandersetzung mit Klang, Bewegung und Formen im Galerieraum.


Seit Anfang der 2000er Jahre sind Andreas Fischers Werke Gegenstand zahlreicher institutionellen Ausstellungen im In- und Ausland, darunter im Kölnischen Kunstverein, Heidelberger Kunstverein, Kunstverein Bonn, Kunsthalle Düsseldorf, Museum Ludwig, Kunstverein Braunschweig, Hamburger Bahnhof Berlin, Hamburger Kunstverein und Museum Marta Herford. Fischers Werke befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Museum Ludwig Köln und Kunsthaus NRW in Kornelimünster.

 

Wilko Austermann

 



ACHENBACH HAGEMEIER
presents 


Useless house pet meets houseless farm animal
Andreas Fischer

3 September - 2 October 2021


Achenbach Hagemeier presents its second solo exhibition of works by artist Andreas Fischer (b. 1972). The sculptor has been creating kinetic machines out of everyday objects since his time at Kunstakademie Düsseldorf, where he studied under Klaus Rinke and Georg Herold.
Fischer’s exhibition “Useless house pet meets houseless farm animal” features select sculptures engaged in a lively dialogue. The artist consciously titles his works and exhibitions in a way that make us think. Likewise, his machines display a number of animal-like qualities that challenge the senses, leading us to doubt our perception.

What would happen if a houseless farm animal met a useless house pet?
The artist’s kinetic machines fill the gallery space with life. Crucially composed with a heavy dose of humor and biting satire, Fischer’s collaged “foreign bodies” are objects recombined and enlivened by movement and narrative sound—the strangeness of which makes its ostensibly common components seem at once familiar and extremely unsettling. The artist himself is present in these machines, having infused them with his own language. Fischer transforms old, electronic devices into new entities. Every one of these technical apparatuses tells a story. Made of discarded objects that the artist finds and rebuilds, they often consist of technical gadgets that predate digitalization. Sculptures in the exhibition interact with visitors by means of a motion detector. The artist juxtaposes two works at a time in the exhibition; their disquieting sounds and movements fill the gallery space.

“One day”, a work from 2017, features a machine that is searching for something, emphasizing the temporal dimension. An erstwhile radar box with two round buttons has the appearance of a figure. Rising from the body is a metal rod attached to a loudspeaker. The figure frantically searches for something on the ground with a metal plate. The work depicts an inner struggle. It is not easy to tell the truth and the dialogue comes across as a confession. A pulling magnet hangs loosely from the metal rod, heightening this conveyed sense of uncertainty.

The glowing letters “Ofen aus 2 wiedermal” (Oven out of 2 once again) recall the luminous signage seen in stores. The artist has transformed the original “Open” to read Ofen (the German word for oven). Fischer has previously installed the work on a trailer sculpture. The garish neon lettering glows brightly in the gallery space, raising doubts as to the meaning of this “oven.”

“Entscheidungshilfe” (Decision aid) manifests as a small cabinet on four wheels, from which a long object protrudes into the room. It has the look of an arm from which two wheels are being lowered to the ground with a string. The object is playing “Fare-well to Cheyenne,” a song from the soundtrack to the 1968 film Once Upon a Time in the West. The machine symbolizes the difficult act of making decisions. The wheels metaphorically represent the outcome—failure—in that the objects can never be fixed to one spot. Besides the film music, one also hears the sound of artist’s breathing. Here again, the sculpture takes on a personified quality as a result of its novel form in combination sound.

“As If There Was A Plan” consists of three objects. Two upright cake forms on metal rods resemble the eyes or antennae of an insect. Resounding from them is narrative language that strikes a contrast with the movement in the center. An old craftsman’s cabinet perched on four wheels has been combined with an exhaust hood topped with two antennas. Cables connect the three objects with one another in a way that fills the space. A drawer opens, releasing fog. The apparatus nods and appears to sigh in response. There is no sign of any “plan” as suggested by the title, no resolution in sight.

Outdoors, we are greeted by the work “Waldmaschine Westfall” (Forest Machine Westfall). Completed in 2020, it consists of a trailer and a box with closed roller-shutters. Nightfall permits a glimpse of the interior. Mounted on the white box are a large surveillance camera and solar panels. The sculpture generates its own electricity. The work plays with people’s expectations. Is this a commercial stand? Is something for sale? Playing inside is the Christmastime children’s song “Advent, Advent ein Lichtlein brennt” (Advent, Advent, A Little Light is Burning), performed in various different ways. The sculpture recalls Michael Asher’s travel trailer, his recurring contribution to Skulptur Projekte Münster which appears in a new location in the city every week. Both works question the internal qualities and role of the object. Fischer underscores this dislocation through the addition of sound and the camera, which intermittently begins to smoke.

Andreas Fischer’s works succeed in humanizing machines. Their unsettling choreography and appearance lead us to question other processes in our everyday lives. The result is a captivating grappling with sounds, movements, and forms in the gallery space.

 

Since the early 2000s, Andreas Fischer's works have been the subject of numerous institutional exhibitions in Germany and abroad, including at the Kölnischer Kunstverein, Heidelberger Kunstverein, Kunstverein Bonn, Kunsthalle Düsseldorf, Museum Ludwig, Kunstverein Braunschweig, Hamburger Bahnhof Berlin, Hamburger Kunstverein and Museum Marta Herford. Fischer's works are in the collections of the Museum Ludwig Cologne and Kunsthaus NRW in Kornelimünster, among others.

 

Wilko Austermann