Achenbach Hagemeier

Press Release

Pressemitteilung Mai 2017

ACHENENBACH HAGEMEIER
präsentiert

INSTANT KARMA
BEUYS / GERKEN / HALLEY / KNOEBEL / LIEBLICH / MADSEN / OTWAY / WESSELMANN

19. Mai – 9. Juni 2017
Opening 18. Mai 2017, 18 – 21 Uhr

David Achenbach und Anna Hagemeier freuen sich, Sie erstmalig in die neuen Düsseldorfer Räumlichkeiten zu der Gruppenausstellung Instant Karma einladen zu dürfen. Acht internationale Künstler werden einander gegenübergestellt – vier etablierte Positionen und vier junge, aufstrebende Künstler.

Joseph Beuys (*1921 – †1986) hat die Düsseldorfer Kunstszene maßgeblich geprägt. Er war einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts und setze seine künstlerischen Fähigkeiten vielseitig ein. Das größte Aufsehen erregte er als Aktionskünstler, dessen Happenings und Performances hohes öffentliches Aufsehen erregten und durchaus umstritten waren. Des Weiteren wirkte er als Bildhauer, Zeichner und Kunsttheoretiker, der Ende der 1970er Jahre seine spezifische Definition des erweiterten Kunstbegriffes zur Konzeption der „Sozialen Plastik“ als Gesamtkunstwerk entwickelte. Eine Aufforderung, Gesellschaft und Politik kreativ mitzugestalten.

Ina Gerken (*1987) schloss 2016 als Meisterschülerin von Katharina Grosse ihr Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie ab. Sie bewegt sich mit ihrer abstrakten Malerei im Spannungsfeld zwischen zwei Polen – der Unendlichkeit des Kosmos und der eingeschränkten Dauer der Existenz. Sie stellt sich die Frage: wo beginnt das Gemälde, wo hört es auf. Ihr Malprozess beginnt mit einem leeren, unbegrenzten Raum. Dann malt sie, ohne einen vorgefertigten Plan, ohne Konzept. Ein Dialog zwischen der Künstlerin und dem Bild entwickelt sich, ein Prozess bei dem das unsichtbare sichtbar wird. Die Arbeit wächst von selbst, wird lebendig. Ein Individuum entwickelt sich, kein Bild gleicht einem anderen, jedes hat seinen eigenen Charakter, wie ein Lebewesen. Die menschlichen Spuren, die Gerken auf der unberührten Bildfläche platziert, haben die Absicht etwas Neues zu hinterlassen, von unserer Existenz zu berichten und zu vermeiden, dass die Leere und das Nichts den Raum dominieren.  

Peter Halley (*1953), geboren in New York wo er heute lebt und arbeitet, ist ein amerikanischer Konzeptkünstler. Er beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Verhältnis von, wie Halley sie nennt, „prisons“ – Gefängnissen, und „cells“ – Zellen. Geometrisch- abstrakte Bildzeichen, mit denen Halley einen kritischen Blick auf Raum- und Kommunikationsstrukturen und die zunehmende „Geometrisierung“ unseres Lebensraums wirft. Die in seinen Arbeiten entstehenden Farbfelder sollen keine meditative Bildraumerfahrung sein. Vielmehr möchte Halley die anonyme, aggressive Farbkommunikation des Großstadtlebens reflektieren, wie sie uns in Firmenlogos und Leuchttafeln tagtäglich begegnet.   

Imi Knoebel (*1940) ist ein deutscher Maler und Bildhauer der der Minimal Art zuzuordnen ist. Er studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Joseph Beuys. 1968 entsteht Knoebels erstes Hauptwerk, die Installation "Raum 19", benannt nach einem Unterrichtsraum Nr. 19 in der Akademie, den Beuys zur Verfügung gestellt hatte. Schon damals beschäftigt sich Knoebel in analytischen Serien mit dem Verhältnis von Raum, Trägergrund und Farbe. Die Reduktion auf die elementaren Koordinaten der Malerei ist dem zweiten großen Vorbild, Kasimir Malewitsch, verpflichtet. Nach puristischen Linienbildern, Lichtprojektionen und weißen Bildern (1972-75) verwendet Knoebel 1974 erstmals Farbe. Projekte wie "Deutsches Tor" und "Kinderstern", beide 1988, zeugen vom gesellschaftspolitischen Engagement des Künstlers.

Christine Liebich (*1987) studierte bis 2017 Malerei an der Akademie der bildenden Künste in München und schloss als Meisterschülerin von Axel Kasseböhmer ihr Studium ab. In Ihren 90 Kilogramm schweren, visuell jedoch leicht und schwebend wirkenden Arbeiten, die zum größten Teil aus bearbeitetem Zement und Stahl bestehen, beschäftigt sich Liebich mit der Gegenüberstellung von Dualsimen. Zerstörung begründet die Entstehung von neuem, Beständigkeit trifft auf Vergänglichkeit. Liebich lotet die Grenzen zwischen Bild und Objekt aus, indem sie sich mit dem Material Zement auseinander setzt, das normalerweise als allgegenwärtiges Baumaterial nicht unbedingt im künstlerischen Kontext wahrgenommen wird. Sie setzt ihn in einen völlig neuen Zusammenhang, indem sie ihn zum Bildträger macht. Das Spannungsfeld zwischen Innenraum und Umgebung wird deutlich spürbar und es gelingt Liebich, die Umgebung zum Bestandteil der Arbeit werden zu lassen indem sie Materialgrenzen überwindet.

Jesper Skov Madsen (*1982) aus Kopenhagen, schloss dieses Jahr sein Studium mit dem Master of Fine Art an der Royal Danish Academy of Fine Arts ab. Madsens aktuelle Werksserie beschäftigt sich mit gewolltem Kontrollverlust, bei dem der Prozess das Resultat kontrolliert und nicht anders herum. Die einzige Kontrolle, die der Künstler ausübt ist die Auswahl der Materialien. Zum einen Kupfer, für seine „Copper Works“, zum anderen Feuerabweisende Kleidung von Feuerwehrleuten für seine „Firefighter works“. Die zunächst unterschiedlich anmutenden Materialien haben eine große Gemeinsamkeit, die Madsen fasziniert. Beide Materialien sind lebendig. Die Kupfer Arbeiten entwickeln Ihre Lebendigkeit, indem der Betrachter durch seine eigene Reflektion Teil von ihr wird. Die räumlichen Begebenheiten, Lichtsituation oder Tageszeit, all dies verändert und beeinflusst die Arbeit. Zudem ist Kupfer selbst ein lebendiges Material. Bei Berührung werden spuren sichtbar, bei Feuchtigkeit beginnt das Material zu oxidieren und seine äußere Gestalt zu verändern. Die Firefighter works entwickeln ihre Lebendigkeit während des Entstehungprozesses der Arbeiten. Eine pyrotechnische Flüssigkeit, die hochentzündlich ist wird vom Künstler über die Kleidung gesprüht und anschließend in Brand gesetzt. Das ganze findet aus Gründen der Sicherheit unter freiem Himmel statt. So passiert es, dass der Wind die Flammen mit spontaner Geste über das Textil verteilt. Der Künstler hat keine Kontrolle darüber, wie die Flammen sich ausbreiten werden. Der Prozess lässt einen fast schon grotesken Konflikt entstehen zwischen der Wahl des Materials und der Art und Weise, wie der Künstler das Material bearbeitet. Er entzündet Schutzkleidung, die eigentlich vor Flammen schützen soll und bearbeitet glatte, glänzende und saubere Kupferplatten brutal mit dem Hammer, Feuer sowie Chemikalien. Die Resultate dieser Bearbeitung der Materialien ist irreversibel, konträr zur klassischen Malerei, in der Pinselstriche bemalt oder verändert werden können ist es Madsen nicht möglich, das Entstandene im Nachhinein zu verändern. Der Prozess kontrolliert das Ergebnis und geht Hand in Hand mit der Absicht des Künstlers, die Kontrolle über das Resultat zu verlieren.

Jack Otway (*1991) ist ein junger englischer Maler, der in seinen Bildern spannende Szenarien erschafft, die auch als gemalte Film Stills gesehen werden könnten, denn in seiner aktuellen Werksserie lässt sich Otway von visuellen Eindrücken und Inhalten des italienischen Thriller Genres Giallo, und den Filmen von Troma Entertainment inspirieren. Dabei faszinieren den Künstler die durch das Medium Film erzeugte Wirkung der Nähe von Gewalt und Horror auf den Betrachter, der gleichzeitig aber genügend Raum und Distanz zum eigentlichen Ereignis wahrt. Die starke, fast schon übersättigte Farbpalette wird von Otway mit organischen Formen und dynamischen Pinselstrichen kombiniert und lassen den Betrachter in die low-budget Welt der Horrorfilmindustrie eintauchen, die in ihrer Übertreibung Gewalt und Terror auf eine absurde und groteske Art und Weise präsentiert.

Tom Wesselmann (*1931 – †2004) ist ein amerikanischer Künstler, der seit dem Ende der 1950er Jahre mit seinen Collagen von Figuren und Stillleben der Pop Art Bewegung zugeordnet wird. Aus diesen Collagen entwickelte er in den 1960er Jahren die „Great American Nude Serie“ – Frauenakte, die durch ihre Sexualität den Betrachter herausfordern und mit der er große Bekanntheit erlangte.  Inspiration für seine Werke waren, wie bei vielen anderen Vertretern der Pop Art Bewegung auch, Elemente aus Film, Fernsehen, Plakatwerbung.

Press Release May 2017

ACHENENBACH HAGEMEIER
presents

INSTANT KARMA
BEUYS / GERKEN / HALLEY / KNOEBEL / LIEBLICH / MADSEN / OTWAY / WESSELMANN

May 19 – June 9, 2017
Opening May 18, 2017, 6pm – 9pm

David Achenbach and Anna Hagemeier are pleased to invite you to Instant Karma, the first group exhibition in the new Düsseldorf space. Eight international artists are presented in contrast to one another– four have established positions and four are young, emerging artists.

Joseph Beuys (1921 – 1986) had a decisive impact on the Düsseldof art scene.  He was one of the most influential artists of the 20th century, using his artistic abilities in a variety of capacities.  He won the most renown as a performance artist, whose happenings and performances attracted a lot of public attention and were quite controversial.  He additionally worked as a sculptor, draftsman and art theorist. At the end of the 1970s, he developed a broadened notion of art with his conception of “Social Sculpture” uniquely defined as gesamtkunstwerk -- an invitation to help to creatively shape politics and society.

Ina Gerken (*1987) completed her studies at the Düsseldorf Kunstakademie as a master’s student under Katharina Grosse in 2016. In her abstract paintings, she operates in the tension between two poles – the endlessness of the cosmos and the limited duration of existence. She wonders: where does the painting begin and where does it end? Her painting process begins with an empty, unlimited space. She then paints without a predetermined plan, without an underlying concept. A dialogue between the artist and the image develops, a process in which the invisible becomes visible.  The work grows out of itself and comes alive. An individual emerges: no composition the same as the next. Each has its own character, like a way of life. The traces of humanness that Gerken situates on the untouched surface of the canvas mean to leave something new behind, say something about our existence and eschew the emptiness and nothingness that dominates the space.

Peter Halley (*1953), is an American conceptual artist, who was born in New York, where he lives and works today. He has focused on the relationship between prison and cells for many years. With abstract, geometric designs, Halley directs a critical lens toward structures of space and communication and the increasing “geometrification” of our lived environment. The range of colors in his work’s visual space is not meant to be meditative. Halley would much rather channel the anonymous, aggressive interplay of the colors of big city life, which we daily encounter in corporate logos and illuminated signs.

Imi Knoebel (1940) is a German painter and sculptor associated with Minimal Art. He studied at the Düsseldorf Kunstakademie under Joseph Beuys. In 1968 Knoebel developed his first major work, the installation “Raum 19,” named after the academy’s classroom no. 19, which Beuys had provided to his students. Even then, Knoebel addressed the relationship between space, picture supports and color with his analytical series.  His second major influence comes from the reduction of the painting to elemental coordinates of Kasimir Malewitsch. Subsequent to his puristic lines, light projections and white paintings, Knoebel used color for the first time in 1974. Projects such as his 1998 “Deutsches Tor” and “Kinderstern” attest to the artist’s social and political engagement.

Christine Liebich (*1987) studied painting at the Akademie der bildenden Künste in München until 2017, completing her studies as a master’s student under Axel Kasseböhmer. In her 90 kilogramm, but visually light and airy works, primarily consisting of processed steel and cement, Liebich works through dualism’s oppositions. Destruction predicates the emergence of the new; transience achieves a kind of permanence. In using cement—a material not commonly seen in the context of art production—Liebich explores the boundaries between image and object. She puts it into an entirely new context, by turning it into something that carries an image. The tension between surrounding and interior is palpable. In breaking down the boundaries between materials, Liebich succeeds in rendering the surroundings a component of her work.

Jesper Skov Madsen (*1982), from Copenhagen, completed his studies with a Master of Fine Arts from the Royal Danish Academy of Fine Arts this year. Madsen’s current series of works deals with the intentional loss of control, wherein the process dictates the result and not the other way around. He uses copper in his piece “Copper Works” and the fire-resistant material of a firefighter’s uniform in “Firefighter Works.” The seemingly unrelated materials have an important commonality, which fascinates Madsen; both materials are living. The copper works develop their vitality through the viewer’s encounter with their own reflection. The spatial conditions, the lighting and the time of day all impact and alter the work. Copper is, moreover, itself a living material. Every contact leaves a trace, because the material begins to oxidize with moisture and changes its exterior form. The firefighter works develop their liveliness during their fabrication process.  The artist sprays a highly flammable, pyrotechnic liquid over the clothes and then sets them on fire. As a safety precaution, the entire process takes place in open air. Gesturally spontaneous, the wind spreads the flames across the textile. The artist has no control over how the flames spread. The process gives rise to an almost grotesque conflict between the choice of material and the method the artist uses to process that material. He sets alight protective clothing that should actually be protecting against flames and he brutally processes smooth, glossy and clean copper plates with hammers, fire and chemicals. Contrary to classical painting, in which brush strokes can be painted over or altered, the effect of this treatment on the materials is irreversible. The process dictates the result and plays into the hand of the artist, whose intention is to lose control over the result.

Jack Otway (*1991) is a young English painter, whose paintings, which depict enthralling scenarios, could also be seen as painted film stills. His recent works draw inspiration from the visual content and impressions of the Italian thriller film genre, Giallo, and films produced by Troma Entertainment. The medium of film fascinates the artist in that it can produce an effect on the viewer close to violence and horror, while, at once, maintaining enough space and distance from the actual occurrence of violence and horror. Otway combines organic forms and dynamic brushstrokes with a strong, almost oversaturated color palette. He lets the viewer into the world of the low-budget horror film industry, which presents terror and violence to the point of absurdity and the grotesque.

Tom Wesselmann (1931—2004) is an American artist, who, since the end of the 1950s, has been associated with Pop Art for his collages of figures and still lifes.  From these collages he developed the “Great American Nude Series” – nudes of women that challenged the viewer with their sexuality and brought him a lot of popularity. Like many other representatives of the Pop Art movement, elements of film, television and advertising were inspirations for his work.