Achenbach Hagemeier

Press Release

Pressemitteilung Februar 2019 

ACHENBACH HAGEMEIER
präsentiert 

FELIX CARR

AN ARROW THROUGH MY BATHROOM WINDOW
15 Februar – 16 März 2019

Einem Gemälde von Felix Carr zu begegnen schlägt einen visuell in den Bann. Die Geschwindigkeit und Bandbreite der auf der Oberfläche ausgeführten Zeichen ist eine eindrückliche Erfahrung. Carrs verspielte Virtuosität bringt Formfragmente hervor, die zum Teil hinter Farbschichten verborgen liegen. Augen, Finger, Hände und Gliedmaßen erscheinen sporadisch und skizzieren unvollständige Narrative inmitten der nicht enden wollenden Zeichen. Immer wieder scheinen in den Arbeiten frühere Stadien des Schaffensprozesses durch, zwischen den verschiedenen Schichten ergeben sich komplexe Wechselwirkungen. 

Es ist ein Prozess konstanter Be- und Überarbeitung, dem Carr mittels einer Konfiguration Sinn verleiht, in der disparate Elemente verschmelzen, aber nie ganz aufgelöst werden. Er weiß, wann er aufhören muss, damit die Bilder nicht zu bequem, zu konstruiert geraten. Oftmals ist das Resultat eine Struktur, die wirkt, als sei sie hastig zusammengeworfen und als stünde sie kurz vor dem Auseinanderfallen. So bei Mask (Naum or Greta Garbo), das mit einer abschließenden Schicht pastoser weißer Linien aufs Geratewohl übermalt wurde. Dieser Prozess, bei dem frühere Formen teilweise gelöscht werden, beruht in Teilen eher auf Zufall denn auf Planung, was Carrs Werken ein Moment der Unberechenbarkeit verleiht. Entschlossen, sich nicht selbst zu wiederholen, findet Carr neue Wege, seine Praxis gegenüber einem breiteren Möglichkeitsspektrum zu öffnen. Er gestattet es sich, gelegentlich abzuschweifen und verblüffende Kuriositäten wie die seltsame Figur aus The Hands leads to a Shoulder zu schaffen.     

Carrs Einsatz von Gestik haftet eine gewisse Distanziertheit an. Er scheint sich der Tücken der expressiven Malerei, der Gefahr von Selbstgenügsamkeit oder unverhohlener Romantik bewusst zu sein. Trotz der expressiven Körperlichkeit seiner Gemälde entsteht das Gefühl, er wahre eine gewisse Distanz zu ihr. Dies geschieht jedoch nicht auf ironische Weise, obschon die Geste durchaus mehrdeutig ist. Sie scheint eher eine Distanziertheit anzuzeigen, eine Abwesenheit des Selbst. Gewiss ist sie nicht darum bemüht, heroisch zu wirken. Dies hängt nicht bloß mit dem (mitunter) überschaubaren Maßstab der Werke oder der Tatsache zusammen, dass Carr eine ungelöste und fragmentierte Figuration betreibt, sondern letztendlich mit dem Einsatz weißer Farbe, die das Bild immer wieder auf die unbeschriebene, weiße Fläche der Leinwand zurückwirft. Weiß auf Weiß, eine Leerstelle zeichnend, nichts aussagend, löschend und tilgend, wie die geisterhaften Werke Efficacy oder Sideways, wo die Farbe verschiedene Formen konturiert und sie über weißem Grund schweben lässt. In Carrs Werk scheint Weiß sogar die Farben zu tönen, sie sanft zu dämpfen und mit Melancholie aufzuladen.  

In einer Zeit, da wir Bilder binnen Sekunden über makellose Bildschirme aufnehmen, fesselt das Erleben von Gemälden wie diesen unsere Aufmerksamkeit, eben weil sie uns ihre Materialität, ihre Handarbeit und ihre gewollte Unvollkommenheit vor Augen führen. 

Dominic Kennedy

Press Release February 2019 

ACHENBACH HAGEMEIER
presents 

FELIX CARR

AN ARROW THROUGH MY BATHROOM WINDOW
15 February – 16 March 2019

To encounter a painting by Felix Carr is visually arresting. The speed and range of marks contained on the surface is a compelling experience. His playful virtuosity creates fractured forms, half hidden in layers of paint. Eyes, fingers, hands and limbs appear sporadically, presenting incomplete narratives amidst the incessant marks. Throughout the work, earlier stages show through, creating complex interactions between the various layers. 

This is a process of constant reworking and Carr makes sense of this by arriving at a configuration where disparate elements become one, but never over resolved. He knows when to stop, before things become too comfortable, too orchestrated. Often this is a structure that feels as if it has been thrown together in haste and close to collapse, such as we find in ‘Mask (Naum or Greta Garbo)’, where a final layer of thick white lines has been painted over the canvas haphazardly, partially erasing previous forms. This is in part, an activity that relies on chance rather than design, giving Carr’s works an element of unpredictability. Resolved not to repeat himself, Carr finds new ways to open the work up to wider possibilities, allowing himself to occasionally go off at a tangent, producing striking oddities such as the strange figure found in ‘The Hands leads to a Shoulder’. 

There is an element of detachment to Carr’s use of gesture. He seems aware of the pitfalls of expressive painting, the danger of it becoming self-indulgent or overtly romantic. For all of the expressive physicality found within these paintings, there is a sense that he is partially removed from it. This is not done ironically, though the gesture is ambiguous; it would appear more to display a detachment, an absence of self. It is certainly not concerned with wishing to appear heroic. 

This is not just to do with the (at times) modest scale of the work or the fact that he paints an unresolved and fractured figuration, but ultimately it is in his use of white paint which, time and again, returns the image back to the white of the blank canvas. White on white, drawing a blank, stating nothing, erasing and obliterating such as we see in the ghost-like 'Efficacy' or 'Sideways', where the paint cuts around various forms leaving them suspended in a white ground. Colour in his work also appears to be have been tinted by white, quietly muting it, endowing it with melancholy.

In an age where we take in images in a matter of seconds through pristine screens, experiencing paintings such as these holds our attention precisely because they make us profoundly aware of their materiality, their handmade quality and their embracing of imperfection. 

Dominic Kennedy