Achenbach Hagemeier

Press Release

Pressemitteilung November 2018

ACHENBACH HAGEMEIER
präsentiert

CHRISTINE LIEBICH

GRAVITY RIDES EVERYTHING

8. – 29. November 2018

Licht. Schatten. Kanten. Spitzen. Gebrochen. Geometrisch. Edel. Glänzend. Changierend. Strahlend. Blitzend. Leicht. Oberfläche. Tiefe. Leere. Bedrohlich. Abschreckend. Einladend. Baustahl in komplexe Formen gebracht. Christine Liebichs skulpturale Arbeiten rufen eine Reihe von zumeist gegensätzlichen Assoziationen und Begrifflichkeiten auf, die allesamt konträr und dennoch treffend sind.

In früheren Werken überzog Liebich Konstruktionen aus Stahl mit Beton, dessen farbige, geglättete und leuchtende Oberfläche eine ästhetisch reine, geradezu kostbare Materialität in malerischer Ausprägung vorspiegelte. Doch im Laufe ihres künstlerischen Schaffens bricht Liebich die äußere Fassade des Betons immer weiter auf. Die Arbeiten verlieren unablässig an Masse und Schwere; ihre Durchlässigkeit legt partiell den verborgenen Unterbau frei, der ursprünglich im Verborgenen bleiben und zunächst nie zur Ansicht kommen sollte. Immer weiter subtrahiert die Künstlerin das charakteristische Element des Betons, das nunmehr porös die skelettartige Struktur aus Stahl preisgibt und eine neue ästhetische Komponente in ihrem Œevre etabliert. Infolge der schichtweise voranschreitenden Reduktion wird der konstruktiv unabdingbare Stahl permanent sichtbar. In einem radikalen, finalen Schritt wendet sich Liebich nunmehr allein den Stahl Konstrukten zu. Auf diese Weise entsteht ein graziles, fast grafisch anmutendes Objekt als Destillat des rastlos vorangetriebenen künstlerischen Prozesses.

Die Dark Knight Serie kann als Zeichnung im Raum verstanden werden. Christine Liebich arbeitet von jeher stetig wechselnd in den Gattungen Skulptur und Zeichnung, verbindet diese gekonnt und erschafft so eine symbiotische Bildsprache. Motive aus der Natur, Science-Fiction aber auch apokalyptische Szenarien und Utopien werden darin verhandelt. So entspricht etwa der Kreis in seiner geometrischen Vollkommenheit einem solch positiven Zukunftsbild, gekoppelt mit der Strenge und Härte des Materials zeigt er aber zugleich eine endzeitlich unheilvolle Perspektive auf. Die Arbeit stellt folglich auch die Frage nach dem Wesen der Form. Was ist ein Kreis? Was ist ein Viereck? Liebich überdenkt die geometrischen Grundmotive skulptural.

Zentrales Grundthema in Christine Liebichs Arbeiten ist demnach ein ausgeprägter Dualismus. Die Ambivalenz der Werke wird dem Betrachter in Material, Oberfläche und Form offenbart.
Die inhärente Dualität der Werke Liebichs wirft zudem die Frage nach Abgrenzung und Grenzziehung auf. Die Arbeiten sind permeabel, changieren fein poliert im Licht zwischen An- und Abwesenheit, bilden Auslassungen und reflektieren Leerstellen. Der negative Raum umgibt und formt das Material. Die glatt schimmernde Hochglanzoberfläche, jedoch gebracht in spitze Form ist zugleich Zugeständnis und Abwehr. Dieser Bruch zeigt im Kern die Identität des Materials auf, eingefasst in eine simultan scharfe und unscharfe Zeichnung der Grenzen.

Jener der Popkultur entliehene Titel der Serie Dark Knight erinnert darüber hinaus an die Idee des tragischen Antihelden, der sich immerfort zwischen Heroismus und Dunkelheit bewegt. Assoziativ belegt Liebich ihre Objekte damit umso mehr mit einer Idee: der Diskrepanz zwischen Hell und Dunkel, Gut und Böse, ein ständiges Ringen, letztlich die Eindeutigkeit der Werke bewusst und zurecht verneinend.

Christine Liebich (*1987 in Landshut) studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und ist Meisterschülerin von Professor Axel Kasseböhmer. Liebich lebt und arbeitet bei München.

Maurice Funken, Direktor NAK Neuer Aachener Kunstverein

Press Release November 2018

ACHENBACH HAGEMEIER
presents

CHRISTINE LIEBICH

GRAVITY RIDES EVERYTHING

8 – 29 November 2018

Light. Shadows. Edges. Peaks. Broken. Geometrical. Slick. Shiny. Fickle. Bright. Sparkling. Light. Surface. Depth. Void. Menacing. Daunting. Welcoming. Carbon steel brought into complex forms. Christine Liebich's sculptural works evoke a broad range of mostly conflicting associations and concepts, all of them contrarian and nevertheless accurate.

In past works Liebich mantled constructions of steel with concrete, whose colored, smoothed and luminous surface pretended an aesthetically pure, downright precious materiality in a picturesque shape. In the course of her artistic production Liebich breaks open the outer facade of the concrete even farther. The works diligently loose in mass and weight; their porousness partially exposes the concealed substructure, which originally remains in secrecy and initially should not be on view. Gradually the artist subtracts the distinctive element of the cement, which henceforth becomes porous, relinquishing the skeletal structure of the steel and adding a new aesthetic component to her oeuvre. As a result of the advancing reduction in layers the structurally indispensable steel becomes permanently visible. In a radical final step Liebich henceforth turns toward the sole steel constructs. Thus, a delicate, almost graphic object comes into existence as distillate of the disquietingly spurred artistic process.

The Dark Knight series can be considered as a drawing in space. Christine Liebich's works constantly alternate between the genres of sculpture and drawing, linking those skillfully and thus creating a symbiotic picture language. Therein motives originating from nature, science-fiction as well as apocalyptic and utopian scenarios are being processed. For instance, the circle in its geometric perfection equates a positive vision of the future, coupled with the pungency and hardship of the material it simultaneously depicts a baleful perspective of the end times. Hence the work questions the essence of the circle. What is a circle? What is a square? Liebich reconsiders basic geometric motives in a sculptural way.

Thus, central subject in Christine Liebich's works is a distinctive dualism. For the spectator the ambivalence of the creations is laid bare in the material, surface and form.
The inherent duality of Liebich's works raises the question of demarcation and boundaries. The works are permeable, change smoothly polished between presence and absence in the light, constitute omissions and reflect voids. The negative space encompasses and forms the material. The slickly gleaming high gloss surface, however brought into sharp form is concession and interception. This fraction pivotally discloses the identity of the material, cased in a simultaneously exact and diffuse delineation of the edges.

Dark Knight as the title of the series is borrowed from pop culture and in addition reminds of the idea of the tragic antihero, evermore moving between heroisms and darkness. All the more Liebich associatively overlays her objects with an idea: the discrepancy between light and dark, good and evil, a steady struggle, ultimately consciously and rightly negating the clearness of the oeuvre.

Christine Liebich (*1987 in Landshut) studied at Akademie der Bildenden Künste in Munich and is master student of Prof. Axel Kasseböhmer. Liebich lives and works nearby Munich.
 
Maurice Funken, Director NAK Neuer Aachener Kunstverein