Achenbach Hagemeier

Press Release

Pressemitteilung November 2017

ACHENBACH HAGEMEIER
präsentiert

CHRIS SUCCO

17. November – 30. Dezember 2017
Opening 16. November 2017, 17 – 21 Uhr

Achenbach Hagemeier freut sich, eine Einzelausstellung des Künstlers Chris Succo ankündigen zu dürfen. Die Ausstellung zeigt neue Leinwandarbeiten, fotografische Arbeiten sowie zwischen 2010 und 2012 in London entstandene Bronzen. Die Auswahl der Arbeiten macht die vielfältigen Aspekte Succos Oeuvre sichtbar. Die Arbeiten geben Einblick in Succos Schaffen, innerhalb dessen jedes Medium als Glied einer Kette fungiert und in Wechselwirkung mit den jeweils anderen steht.

Oftmals bilden Fotografien die Grundlage für Succos Leinwandarbeiten – in konzeptioneller Hinsicht, aber auch als Bildgrund. Die Fotografien konstituieren ein Gedächtnissystem, das ein Archiv aus Referenzpunkten, Sachverhalten, Attitüden und Posen umfasst. Die lyrische Skizzenhaftigkeit der fotografischen Arbeiten verleiht der Ausstellung eine persönliche Note, die auf den Betrachter obskur und mysteriös wirkt. Gleiches gilt für die gesamte Installation, die mittels schwarz gefärbter Wände im vorderen Bereich der Galerie ein Raumgefühl erzeugt, wie wir es von Kneipen und ähnlichen Orten kennen. Dies wird durch Gegenstände aus Succos Atelier ergänzt, indem er beispielsweise einen Schrein auf einem Heizkörper im ersten Ausstellungsraum installiert – samt kleinen Figuren, brennenden Räucherstäbchen, Kerzen und anderen persönlichen Objekten.  

All diese Referenzen bezeugen die lebenslange Identifizierung des Künstlers mit der Rock ‘n’ Roll Szene, in der er sowohl in Deutschland als auch in Los Angeles viel Zeit verbrachte. Ein weiterer Verweis auf den Einfluss der Musik auf Succos Arbeit ist die Installation eines Bildes in der Schiebetür zwischen dem ersten und zweiten Raum der Galerie. Die Arbeit ist so installiert, dass wir zunächst auf deren Rückseite sehen und das Bild umgehen müssen, indem wir in den nächsten Raum wechseln. Musik und die Musikszene haben Succos Werk ebenso beeinflusst, wie die Geschichte der Malerei. Dies belegt insbesondere das Gefühl, welches sein Werk im Allgemeinen vermittelt – während der Arbeit im Atelier, als auch durch seine Installationen in einem Ausstellungsraum. 

Diese Atmosphäre überträgt sich auch auf den zweiten Raum, wo Succo seine Skulpturen auf Flightcases, statt auf konventionellen Sockeln platziert. Die Skulpturen reflektieren ihr Medium mindestens ebenso eingehend, wie die Malereien und Fotografien der Ausstellung. Allerdings scheint es Succo in den Skulpturen weniger um Erinnerungen zu gehen, als um das urtümliche Vergnügen, Materialien derart zu manipulieren, dass die Vollendung einer bestimmten Form zur Nebensache wird. So bewegen sich Succos Skulpturen an der Grenze der Lesbarkeit und präsentieren sich als grob geformte Masse oder Verdichtung – ähnlich den Skulpturen von Wegbereitern wie Thomas Schütte und Willem de Kooning, die im Gegensatz zu Succo jedoch auf eine figurative Bildsprache zurückgreifen. Succos Skulpturen verdeutlichen im Detail, in der Geste und im Ausdruck den Umgang des Künstlers mit Ölfarbe.

Die Ausstellung umfasst Beispiele aus Succos Werk, die sich drei unterschiedlichen Werkgruppen zuordnen lassen. Diese Konstellation soll jedoch nicht bloß verdeutlichen, wie ein Werkkomplex in den anderen übergeht, sondern auch, wie jede der Arbeiten für sich selbst steht. So handelt es sich bei Succos Fotografien oftmals um Vignetten mit einem derart kleinen Bildausschnitt, dass das Motiv – ganz gleich, ob es sich um ein Objekt oder um eine Person handelt – kaum noch erkennbar ist. Der Künstler setzt Fotografie nicht zu Dokumentationszwecken ein, sondern macht seine persönliche Perspektive sichtbar, die dem Betrachter Zugang zu einer Szenerie gibt, die augenblicklich und direkt ist.

Succos zwischen 2015 und 2017 entstandenen Leinwandarbeiten verarbeiten die charakteristische Qualität seiner Fotografien, indem er für die Ausstellung Fotocollagen auf Leinwände druckt und diese dann als Malgrund für seine Kompositionen verwendet. Hier und da werden die Umrisse einer Silhouette hervorgehoben und mittels großflächiger, pastos aufgetragener Ölfarbe abstrahiert. Die Farbpalette fokussiert eine formale Sensibilität, die den Eindruck flüchtiger Erfahrungen unmittelbar nachvollziehbar macht. Diese Arbeiten orientieren sich nicht am direkten Bildinhalt der Vorlage, die unter den Schichten der Ölfarbe verborgen sind, sondern beschäftigen sich mit intuitiver Resonanz. Die Arbeit mit einem Medium beeinflusst automatisch die Arbeit mit anderen. Jedes Medium ist letztendlich ein eigenständiger Weg, sich mit den Erfahrungen auseinanderzusetzen, die aus der Arbeit mit anderen Medien resultieren. Dies wird häufig ergänzt durch eine unübliche Verarbeitungsweise der gewählten Materialien. Innerhalb dieser Ökonomie handelt es sich bei den Leinwandarbeiten – aufgrund ihrer Beziehung zu den Fotografien, auf denen sie basieren – um die Arbeiten, die am effektivsten Succos Fähigkeit kommunizieren, Entscheidung und Intuition, Aktion und Reaktion zu verbinden. Succo zeigt uns die Essenz, das Wesentliche. 

Press Release November 2017

ACHENBACH HAGEMEIER
presents

CHRIS SUCCO

November 17 – December 30, 2017
Opening November 16, 2017, 5 – 9 PM

Achenbach Hagemeier is pleased to present a solo exhibition by Chris Succo. The show will be comprised of new oil paintings, photographic works and a group of bronze sculptures executed in London between 2010 and 2012. This varied but considered sampling of Succo’s work provides us with the opportunity to reflect on the relationships between the different facets of his seemingly disparate production. Considering these diverse works provides a window onto Succo’s practice, which establishes each medium as a different link in a chain of mutually reciprocal and inflecting influences and ideas.

Photography often forms a base for his production more broadly, both conceptually, and sometimes literally—as the support for a painting. Succo´s candid snapshots function as a memory system, an archive of attitude references, situations and postures. They are a lyrical sketchbook-like source and inflect the exhibition with a personal side, if one that is obscure and mysterious to the viewer. The same is true for the installation as a whole, which evokes the atmosphere of spaces such as a dive bar suggested by the black walls of the gallery´s first room. This is merged with aspects of the artist’s studio in, for example, the shrine that is set on top of the radiator in the first room, complete with small figures, burning incense, lit candle and other personal affects.

All of this further references the artist’s lifelong identification with, and participation in, the rock-and-roll community both in Germany, and in Los Angeles, where he has spent a considerable amount of time. Another example of how this feeds into the work is Succo’s installation of one painting on a sliding door between the first and second room of the gallery. This means that we encounter the back of this painting first, and must navigate it by physically moving it out of the way, showing how no object is singular and sacred in Succo’s artistic cosmology. Music, and the scene around it, is thus as much an influence on Succo’s work as the history of painting. This is perhaps especially evident in the feeling of Succo’s work generally, as well as in his approach to it, both making it in his studio and installing it in an exhibition space.

This atmosphere extends into the second room, where flight cases support the sculptures, rather than conventional plinths. The sculptures utilize a similar, possibly even greater, degree of mediation than the paintings and photographs in the show. However, they appear less concerned with the surfacing of memory than with the primal pleasure of manipulating material to the point where it surpasses the importance of achieving a discrete form. As such Succo’s sculptures hover on the edge of legibility, presenting themselves as manhandled masses or agglomerations, much in the way Thomas Schütte’s or Willem de Kooning’s sculptures do, but without the gestures to recognizable imagery that both of those precursors make in their work. They reveal and resemble how Succo handles paint, in detail, gesture and expression.

Examples of Succo’s work in three mediums appear in this exhibition to demonstrate not only the ways that one body of work flows into another, but also to show how each stands on its own. Indeed, considered on their own we might find it difficult to understand the interrelationships. For example, Succo’s photographs are often closely cropped vignettes, to the point of obscuring the identity of the subject, whether it is a person or a vintage car. In this way Succo limits the objective documentary nature of photography as a medium, instead filtering it through the subjective specificities of his perception, which—like Succo’s camera lens—limits the viewer’s entry into the scene, which evokes speed and directness.

The paintings, executed between 2015 and 2017, further obscure the singularity characteristic of his photography. They do this quite literally, as for the works in the exhibition Succo has printed photographic collages on canvas and used them as a rough guide for the composition, pulling out the arabesque of a silhouette here and there and abstracting it with thick fields and flurries of pigment (both black and a varied palette of colors) that emanate from a formal sensibility that seeks to channel the sensation of fleeting experience rather than attempts to fastidiously render it. These works of course do not mimetically render the photographs, but rather capture the emotional resonance of the images that are ultimately buried beneath layers of paint.

Work in each medium does of course influence work in others, each is ultimately a different way to engage with and process experience. This is often mediated by an unconventional approach to selected materials that then become the individual vehicles by which Succo explores the various valences of this. In this economy, and by virtue of its relationship to the photographs from which they emerge, the paintings are inevitably the works which best communicate his ability to fuse decision and intuition, action and reaction. Succo shows us the essence, the necessary.