Achenbach Hagemeier

PRESS RELEASE

Pressemitteilung September 2019

ACHENBACH HAGEMEIER

präsentiert

Andreas Fischer
As if there was a plan
6. September – 31. Oktober 2019

Achenbach Hagemeier freut sich auf die erste Einzelausstellung „As if there was a plan“ des in Düsseldorf lebenden Künstlers Andreas Fischer. Die Ausstellungseröffnung findet am 5. September von 19 – 21 Uhr statt.

„Als gäbe es einen Plan“ betitelt Andreas Fischer seine aktuelle Ausstellung und verrät damitdas Wesen seiner Maschinen. Voller Selbstironie spielt er zudem mit den Erwartungen des Publikums. Anders gesagt: Erwarte nichts. Es sind wunderbare Geräte, die der Künstler in seinem Düsseldorfer Atelier austüftelt. Anders als gängige Maschinen, die „einen Plan haben“,einem praktischen Zweck erfüllen und den Alltag erleichtern, verkehren Fischers Gerätschaften ihren Zweck ins Gegenteil: statt Lösungen anzubieten, werfen sie Fragen auf. Tanzend, schwankend, singend, reißen sie die Gegenstände aus ihrem alltäglichen Trott und sorgen für Verunsicherung. Mal drehen sie sich im Kreise, mal sprechen sie, nicht selten wiederholen sie sich in ihrem Tun, zwanghaft, ein um‘s andere Mal. Oftmals scheitern siewillentlich; zuweilen reagieren sie gar nicht. Erst versteckte Bewegungsmelder machen sie unerwartet zu lebendigen Wesen.

Das Material seiner Kunst sind technischen Geräte, die zerstört, beschädigt oder veraltet sind und ausgemustert wurden, auch wenn sie mit ein wenig Hilfe vielleicht noch funktionstüchtiggewesen wären. In einer Welt, in der so viele Elektrogeräte entsorgt werden, weil „die neue Generation“ auf den Markt gekommen ist, oder, weil schlichtweg kein Reparateur mehr zu finden ist (Tüftler wie der Künstler sind seltener geworden), wird das Material für Fischers Kunst nicht weniger, sondern Tag für Tag mehr. In seinem Atelier sind die unterschiedlichsten Teile versammelt: Möbel, Motoren, Lampen, Computer, Radios, Ventilatoren, Eimer – sogar ein Fließband. Dort finden sie nach und nach zueinander und fügen sich zu neuen Maschinen. Dabei bleiben die Kabel und Zahnräder sichtbar, mit denen die Teile verbunden sind. Eine technische Prüfung bestehen müssen diese Maschinen nicht, nur die des Künstlers, und perfekt sein wollen sie erst gar nicht.

Das Zueinanderfinden der verschiedenen Teile erfolgt planlos nach dem „Versuch und Irrtum“Prinzip. Andreas Fischer arbeitet wie ein Choreograph und überlässt es seinen Maschinen ihr eigenes Potenzial, ihre Bewegung und ihren Ausdruck selbst zu finden. Er verhilft ihnen zum Leben, erkennt ihnen aber auf dem Weg Autonomie an. Die Bestandteile seiner Kunst sind auch alle ganz nah am Performativen – Körper, Rhythmus, Bewegung, Stimme.

Wichtig ist der Faktor Zeit in allen Phasen seines Werks. Es ist die Zeit, die die Geräte zum Künstler bringt. Er braucht wiederum viel Zeit, um Möglichkeiten zu testen. Das fertige Werk nimmt sich die Zeit, die es benötigt, um sich auf der Bühne des Ausstellungsraums zu entfalten. Wer sich am Ende keine Zeit nimmt, um die Maschinen zu betrachten, verpasst sicher etwas, wenn nicht sogar alles.

Das Werk „Ahead of the Clock“ spielt auf den Faktor Zeit an. Der Titel behauptet, diese Maschine sei ihrer Zeit voraus. Hier spielt auch die zufällige Drehrichtung des Glockenspiels auf den Glaslampenschirmen eine entscheidende Rolle: Gegen den Urzeigersinn wirkt die Melodie hypnotisch, in der anderen Laufrichtung jedoch nervenaufreibend. „Ich esse Zeit“wäre hier die passende Antwort seines Lehrers Michael Irmer. „Dranbleiben und durchbeißen“ würde sein Professor an der Kunstakademie Düsseldorf Klaus Rinke ergänzen. „Aber mit Galgenhumor“ würde sein anderer Professor an der Akademie, Georg Herold, hinzufügen.

Die Arbeit „Richter“ beschreibt den Gang der Dinge im Laufe der Zeit: „Der Aufrechte, derAufgerichtete, der aufrechte Gang, auf-gerecht, die gerichtete Sicht der Gerechten, dergerechte Gang der Weltsicht...“. Es handelt sich um ein Kinderschreibtischstuhl, der kopfüber von der Decke hängt. Ein Werk über Evolution, Macht und Gerechtigkeit und über die Möglichkeit, aus einem Kinderstuhl heraus den Gang der Dinge per Knopfdruck bestimmen zu können – in der Börse, im Krieg, im Luftraum.

Im Werk „Lochheber“ wird eine Metallschalle, die auf einem Fließband liegt von einer Kabelkonstruktion in die Luft gehoben, um anschließend immer wieder auf das Fließband zu schlagen. Sie fährt immer wieder nur eine kurze Weile mit, um wieder emporgehoben zu werden, kurz bevor sie in die Kiste am Ende des Bandes gerät. Das Ganze wirkt wie eine gescheiterte Flughafenkontrolle oder vielmehr wie die Verweigerung vor der Kontrolle. DieStimme aus dem Off wiederholt den Satz „If you listen, if you listen, if you listen...“ bis erendlich vervollständigt wird: „...I don’t talk“.

Die Neugierde wird im Werk von Andreas Fischer mal befriedigt, mal bestraft. Es gibt keinen Plan. Seine Maschinen bleiben eigenwillig und allzu menschlich. Sie folgen keinem Muster.Wie sein „Begründungsbingo“-Duo behauptet: „Wichtig ist nur, was am Ende dabei rauskommt. Am Ende ist doch nur wichtig, was dabei rauskommt“; doch: „Das Ende kann man noch nicht absehen.“

„Whatever,
whatever it takes,
whatever it is, it takes whatever,
whatever it takes, whatever takes it, whoever takes it,wherever we take it, we don’t get it - Whatever
it takes forever.”

Paola Malavassi, 2019

Press Release September 2019

ACHENBACH HAGEMEIER

presents

Andreas Fischer
As if there was a plan
6 September – 31 October 2019

Achenbach Hagemeier is very much looking forward to the solo exhibition “As if there was a plan” by German born artist Andreas Fischer. The exhibition opening will be on 5 September from 7 – 9 PM.

Andreas Fischer has named his current exhibition “As if there was a plan”, thus revealing the essence of his machines. Full of self-deprecation, he also plays with the audience’s expectations. In other words: do not expect anything. These are wonderful devices pieced together by the artist in his Düsseldorf studio. Unlike conventional machines that “have a plan,” fulfill a practical purpose, and make everyday life easier, Fischer’s appliances have an opposite purpose: instead of offering solutions, they raise questions. Dancing, swaying, singing, they wrest objects out of their daily routine, ensuring uncertainty. Sometimes they turn around in circles, sometimes they speak, they frequently repeat their actions, compulsively, time and time again. Often they fail deliberately; sometimes they do not react at all. Only hidden motion sensors unexpectedly turn them into living beings.

His artistic materials are technical devices that are destroyed, damaged, or obsolete and decommissioned, even if—with a little help—they would have perhaps still been functional. In a world where so many electrical appliances are disposed of, either because “the new generation” has come onto the market, or simply because there is nobody left to repair it (tinkerers like the artist have become ever rarer), there is more and more material available for Fischer’s art every day. Gathered in his studio are the most diverse components: furniture, motors, lamps, computers, radios, fans, buckets, and even a conveyor belt. Little by little they come together and are added to new machines. The cables and cogs connecting the parts remain visible in this process. These machines do not have to pass a technical examination, only that of the artist, and they do not even want to be perfect in the first place.

The bringing together of the different components is carried out without a plan, according to the principle of “trial and error.” Andreas Fischer works like a choreographer, leaving his machines to find their own potential, movement, and expression. He helps them to live, but allows them autonomy along the way. The elements of his art are also all very close to the performative—body, rhythm, movement, voice.

The time factor is important at every stage of his work. It is time that brings the devices to the artist. He in turn needs a lot of time to test out all the possibilities. The finished work takes the time it needs to find complete expression on the stage of the exhibition space. In the end, anyone who does not take the time to look at the machines will definitely miss something, if not everything.

The work Ahead of the Clock alludes to this time factor. The title claims that this machine is ahead of its time. The random direction of the glockenspiel’s rotation on the glass lampshades also plays a decisive role here: counterclockwise, the melody seems hypnotic, but in the other direction, it is nerve-wracking. “I eat time,” would be the appropriate response here from his teacher Michael Irmer. “Hold on and be tenacious,” his professor at the Kunstakademie Düsseldorf, Klaus Rinke, would add. “But with black humor,” another professor of his at the Akademie, Georg Herold, would continue.

The work Richter [Judge] describes the course of events over time: “The upright, the upstanding, the righteous path, up-standing, the judicious view of the just, the just way of the worldview...” It consists of a children’s desk chair hanging upside down from the ceiling. A work about evolution, power, and justice—and about the possibility of being able to dictate the course of events at the touch of a button from a child’s chair: in the stock exchange, in war, in airspace.

In the work Lochheber [Hole Lifter], a metal dish lying on a conveyor belt is lifted in the air by a system of cables only to subsequently hit the conveyor belt over and over again. It only ever travels along the belt a short distance and is then lifted up once more, just before ending up in the box at the end of the belt. The whole thing seems like a failed airport security checkpoint, or rather a refusal before the checkpoint. The voice-over repeats the phrase “If you listen, if you listen, if you listen...” until it is finally completed: “... I don’t talk.”

In Andreas Fischer’s work, curiosity is sometimes satisfied, sometimes punished. There is no plan. His machines remain idiosyncratic and all too human. They do not follow any pattern. As his “justification bingo” duo states, “The only important thing is the result in the end. In the end, the only important thing is the result.” However: “The end cannot be foreseen.”

“Whatever,
whatever it takes,
whatever it is, it takes whatever,
whatever it takes, whatever takes it, whoever takes it, wherever we take it, we don’t get it— Whatever
it takes forever.”

Paola Malavassi, 2019